Gib dem neuen Jahr eine Chance
- André Maaß

- 27. Dez. 2021
- 5 Min. Lesezeit

Wir gehen wieder schnurstracks auf das neue Jahr zu. Während gerade noch der Baum erstrahlt, hat sich im Hinterstübchen schon die leise Frage auf die Strümpfe gemacht, was denn an Silvester passieren soll. So wie es derzeit aussieht wohl "shades of nothing". Man bleibt wieder zu Hause und unter sich. Am Ende gibt es die Greatest Hits: Dinner for one, Ekel-Alfreds Silvesterpunsch, Raclette und Berliner. "Das böse C-Wort" oder "Das Virus, dessen Name nicht genannt werden darf" hat uns ziemlich lange die Laune verhagelt. Bleibt die Hoffnung, dass mit dem neuen Jahr alles besser wird. Von all den guten Vorsätzen mal abgesehen, schwingt mit dem Aufblitzen der neuen Jahreszahl eine große Erwartung mit, dass nun die große Wende kommt.
Das Jahr kann nichts dafür, wenn es nicht läuft
Es ist überwiegend das gleiche Spiel. Ist Silvester erreicht, wird das alte Jahr mit einem Arschtritt verabschiedet, denn so ein schlechtes will ja keiner mehr haben. Freudig und meist feuchtfröhlich wird das neue Jahr begrüßt und hofiert, wie der neue Trainer eines abstiegsgefährdeten Bundesligisten. Aber schon nach kurzer Zeit ist es "das schlimmste, was passieren konnte. Sogar noch schlimmer als letztes Jahr." Ein Schicksal, das der Trainer nicht selten teilt. Viele haben 2021 als Begründung dafür genommen, dass es ihnen gerade nicht so gutgeht. Aber das Jahr kann rein gar nichts dafür. Wenn ich mich beispielsweise in einem finanziellen Engpass befinde, dann liegt es nicht am Jahr, sondern an meinen Fehlplanungen, zu riskanten Investitionen oder schlicht daran, dass ich meine Kohle verballert hab. Diese Situation verändert sich auch nicht, nur weil ich einen neuen Kalender aufhänge. Von selbst passiert da gar nichts. Ich bin der Einzige, der daran etwas ändern kann. Klar kann ich mich hinsetzen, hoffen, glauben oder beten. Aber schon der Dalai Lama wusste, dass das allein nicht hilft. Ich muss selbst handeln und alles in Bewegung setzen, um das Steuer herumzureißen. Da das aber mit Anstrengungen und Entbehrungen zu tun hat, entscheiden sich viele dafür, in gemütlichkeitsorientierter Schonhaltung zu bleiben. Es ist halt einfacher, den Umständen oder dem "verkorksten Jahr" die Schuld zu geben.
Wenn ich mich nicht drehe, dreht sich gar nichts
Genau eine Person kann hier etwas bewirken: ich selbst. Dazu muss ich mich aber bewegen, sonst passiert gar nichts. Da kann ich noch so viele gute und positive Gedanken ins Universum senden, wie ich will. Wenn ich mich dann nur in den Sessel setze und abwarte, darf ich mich nicht darüber wundern, dass es in die Hose geht. Genau davon kenne ich aber eine Menge Leute. Sie beschweren sich permanent, dass alles schlecht ist, tun aber nichts dafür, dass sich etwas verändert. Dabei könnten sie jederzeit die Zügel selbst in die Hand nehmen und für Veränderung sorgen. Mit meinem Burn-out hätte ich mich damals auch mit Medikamenten eindecken können und hoffen, dass sich was bessert. Aber nur, weil ich Tabletten habe, sind die Umstände und mein Leben noch immer wie vorher. Zum Glück hatte mein Arzt einen anderen Plan. "Werde aktiv und such dir etwas, dass sich runterkommen lässt", war sein erster Tipp. Jetzt war ich gefragt und musste selbst handeln. Bei mir ist es letztlich die Fotografie geworden, die mich mental wieder ein gutes Stück in die Spur gebracht hat. Sie hat mich entschleunigt, geerdet und mir ein gutes Gefühl gegeben. Mein lieber Freund und Kollege Achim sagt immer "Soll es gut laufen, musst du gut laufen!". Deswegen braucht man sich nicht gleich beim Hamburger Marathon anzumelden. Vor allem muss man in Bewegung kommen und die Zügel in die Hand nehmen, anstatt sich die Decke über den Kopf zu ziehen und zu hoffen, dass es von selbst besser wird. Auch das ist mir schnell bewusst geworden. Es wird keiner kommen, der mich wieder heil macht. Das kann nur funktionieren, wenn ich es von mir aus beginne.
Am Blick in den Spiegel führt kein Weg vorbei
Am Ende steht und fällt alles mit der Bereitschaft, Zeit und Energie in die Veränderung zu investieren. Ich kann zu Hause sitzen, mich bedauern, auf die Welt schimpfen und meinem Umfeld oder den Umständen die Schuld daran geben, dass es mir so schlecht geht. Das ändert aber alles nichts daran, dass ich früher oder später in den Spiegel schauen muss. Nur dann wird mir klar, dass ich der Einzige bin, der mich aus dieser Situation holen kann. Sehe ich mir selbst in die Augen, erkenne ich, wie groß mein Anteil daran ist. Habe ich das erst einmal geschnallt, bin ich auf dem besten Weg, das Heft meines Lebens wieder selbst in die Hand zu nehmen. Nun kann ich die Veränderungen beginnen, nach denen ich mich so sehr sehne. Nichts verändert habe ich ja schon lange genug. Diesen Weg habe ich damals auch genommen und ich kann dir sagen, dass es wie Dreck fressen war, festzustellen, dass ich das Meiste meiner momentanen Lage selbst verursacht habe. Als ich das verarbeitet hatte, konnte ich damit beginnen, ganz langsam und Schritt für Schritt daran zu arbeiten, sie zu beheben. Dabei halfen mir keine guten Vorsätze oder der fromme Wunsch, dass das neue Jahr eine Besserung bringen möge. Wenn es in meinem Haus brennt, könnte ich auch nicht sagen: "Ich lege mich jetzt mal auf die Couch, ziehe die Decke über den Kopf, bis mich jemand rettet." Genau das habe ich eine Zeit lang getan. Es kommt aber keiner. Den ersten Schritt zur Rettung habe ich selbst getan. Um im Bild des brennenden Hauses zu bleiben: Ich muss der Feuerwehr schon mal ein bisschen entgegengehen und nicht noch versuchen, mit Benzin zu löschen.
Gib dem neuen Jahr die Chance, richtig gut zu werden
2022 steht vor der Tür und ja, es kann echt gut werden - wenn man ihm die Chance dazu gibt. Das setzt aber voraus, dass man selbst auch alles dafür tut und sein Bestes gibt. "Was wird das neue Jahr wohl bringen?", ist sicher eine berechtigte Frage. Ich kenne kaum jemanden, der sie sich nicht stellt. Beschränkt man sich allein darauf, passiv abzuwarten, was das Jahr bringt, wird wohl nicht viel passieren. Das Jahr muss uns überhaupt nichts bringen. Vielleicht können wir diese Frage ja auch ein wenig verändern. Meine Idee dazu ist: "Was werde ich aus dem neuen Jahr rausholen?". Das bedeutet dann nämlich, dass ich meine Geschicke lenke. Für mich steht fest, dass ich 2022 wieder aktiv angehen werde. Es wird mir eine große Zahl an Möglichkeiten bieten und ich werde da sein, dabei sein und die Augen für Chancen und Gelegenheiten offenhalten. Mir ist im ablaufenden Jahr so viel Tolles passiert. So wird es auch im kommenden sein. Es liegt einzig an mir, den Weg dafür zu ebnen. Also dann, 2022, ich bin bereit für dein Glück und werde hier sein, wenn du damit um die Ecke kommst.
Alles Gute, Glück und Gesundheit für 2022 wünsche ich dir!
Dein André








Lieber André,
vielen Dank für deine ermunternden Worte. Du hast vollkommen Recht. Selber anpacken und sich bewegen, dann wird's auf jeden Fall was mit dem erfolgreichen neuen Jahr 2022. Wir wünschen dir, Yvonne und euren Liebsten einen guten Rutsch ins neue Jahr und Gesundheit und für 2022 alles Gute. Liebe Grüße senden Uwe und Tanja