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Erinnerungen sind wie mentales Judo

  • Autorenbild: André Maaß
    André Maaß
  • 27. Jan. 2022
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Jan. 2022



Mein Blogbeitrag zum Anhören


Mein Blogbeitrag zum Lesen

Im Grunde bin ich kein Mensch, der sich für Bildermalerei interessiert. Mir erschließt sich auch diese Art der Kunst nicht. Wenn mich einer nach berühmten Malern und ihren bedeutendsten Werken fragt, bin ich raus aus’m Bus. Ich kenne mich damit einfach nicht aus und halte mich folglich mit meiner Meinung auch bedeckt. Sehe ich ein Bild, kann ich sagen „schön“ oder eben „nich‘ schön“. Ende. Darüber hinaus versuche ich Gesprächen mit Kunstliebhabern aus dem Weg zu gehen. Ich möchte ja niemanden mit meiner Unwissenheit frustrieren. Aber als ich neulich an einem Werbeplakat für eine Ausstellung irgendeines Malers (bitte nicht fragen, wer das war) vorbeifuhr, kam ein Gedanke in mir auf: Welche schönen Bilder meines Lebens würden in meiner persönlichen Galerie hängen?


Bilder meiner Ausstellung


Es ist ja so schon nicht leicht, sich jeden Tag gegen die allgemeinen negativen „vibrations“ da draußen zu wehren und einfach gut gelaunt zu sein. Sich nun bewusst schöne Bilder seines Lebens rauszusuchen, kann da für den einen oder anderen eine glatte Überforderung sein. Mir fiel das sehr leicht. Wobei das auch nicht ganz stimmt, denn es stellte sich heraus, dass es irre viele sind. Mich da zu entscheiden, welche in die Galerie kommen, war beinahe unmöglich. Aber genau da lag für mich schon einmal eine fantastische Erkenntnis. Ich habe erkannt, wie viel Wundervolles in meinem Leben schon stattgefunden hat. Eines meiner schönsten gedanklichen Bilder, das definitiv in der Galerie hängen würde, stammt von meiner Hochzeit vor knapp zwei Jahren. Es zeigt den Moment, als meine Frau in ihrem traumhaften Brautkleid die Treppe von unserer Hotelsuite herunterkam und ich unten auf sie gewartet habe. Jedes Mal, wenn ich mir dieses mentale Bild betrachte, komme ich aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Es löst in mir unglaublich tolle Emotionen aus. Ich sehe ihr aufgeregtes Lächeln und spüre direkt wieder, was für ein unglaublich schöner Moment das für mich war. Ein anderes zeigt mich mit dem Fanfarenzug, in dem ich über viele Jahre die Trommel gespielt habe. Wir sind auf einem Auftritt zu sehen. Sofort stellt sich dieses tolle Gefühl wieder ein, das damals immer aufkam, wenn wir gemeinsam Musik gemacht haben. Wir hatten so viel Spaß und Freude an dem, was wir da gemacht haben. Einmal damit begonnen, kommen immer mehr Bilder von fantastischen Momenten in mir hoch. Während ich diese ganzen Szenen vor mir sehe, bemerke ich, wie meine Laune stetig steigt. In mir macht sich ein wohliges Gefühl breit und ich lächle vor mich hin.


Gedankenspirale - von Hölzchen auf Stöckchen


Seine Gefühle kann man nicht direkt beeinflussen. Es funktioniert aber auf einem Schleichweg, indem man seine Gedanken in eine bestimmte Richtung lenkt. Mir ging es damals in der Hochphase meines Burn-outs mental wirklich schlecht. Meine Grübeleien führten mich immer wieder in eine negative Spirale. Der Anfang war oft harmlos und steigerte sich dann immer weiter. Ich kam von Hölzchen auf Stöckchen. Aus heutiger Sicht sind die Gedankengänge total abstrus. Mir kippte beispielsweise ein Glas um. Durch die eben beschriebene Spirale begann es mit Ärgern über das Missgeschick und endete nicht selten bei „Niemand mag mich.“ Flankiert war das Ganze dann mit stetig schlechter werdender Laune und Frust bis hin zu Wut. Irgendwann wurde mir mein eigenes Verhalten selbst zu viel. Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich ständig selbst so runterzumachen. In einem Hörbuch hörte ich einen für mich sehr entscheidenden Satz: Man kann nicht traurig sein, wenn man glückliche Gedanken denkt. Sollte das so einfach sein? Ja, klar. Umgekehrt hat es ja schon ganz hervorragend funktioniert. Ich war in der Lage, mir mittels negativer Denke innerhalb kürzester Zeit die übelste Laune einzuhauchen. Da ich mir geschworen hatte, alles zu tun, um den Burn-out hinter mir zu lassen, musste auch hier was passieren. Wann immer ich nun bemerkte, dass ich wieder auf dem Weg in so eine Negativspirale war, drückte ich mental auf die Stopptaste. Dann begann ich, an schöne Momente zu denken. Ich holte mir Bilder aus der Vergangenheit in den Kopf, die Situationen voller Glück, Spaß und Freude zeigten. Das hat anfänglich nicht die Bohne funktioniert. Zackdiwupp war ich wieder in der Spirale drin. Daran merkte ich schon, wie übermächtig das Negative in mir war. Ok, es lag eine Menge Arbeit vor mir. Egal, wenn’s leicht wäre, könnte es ja jeder. Also versuchte ich es jedes Mal wieder, wenn eine solche Situation auftrat. Nach und nach wurde es besser. Ich bemerkte, dass ich meine miesen Launen und dunklen Gedanken immer schneller in den Griff bekam. Inzwischen habe ich gute 9 Jahre Übung darin. Meine Gefühle kann ich nach wie vor nicht beeinflussen. Sie lassen sich jedoch mit ein wenig Übung über Bande spielen. Der Effekt hat mich verblüfft. Diese Kleinigkeit hat ihren Teil dazu beigetragen, dass ich heute eine positive Grundstimmung in mir trage. Sich positive Bilder aus dem eigenen Leben vor Augen zu führen ist ein bisschen wie mentales Judo, um aus dieser Negativdenke rauszukommen.


Gefühle kann man über Bande spielen


Dafür braucht man Offenheit. Sich vorher schon einzureden, dass es ja sowieso nicht klappt, erstickt jede Chance auf Besserung im Keim. Zudem muss man damit rechnen, dass es seine Zeit dauern wird, bis der Effekt so richtig zur Entfaltung kommt. Deswegen ist es auch Quatsch, die Nummer einmal zu probieren und dann zu sagen: „Siehste geht nicht.“ Von der Sorte kenne ich genug Menschen. Die Ausdauer bringt hier den Erfolg. Es wird sich erst etwas ändern, wenn auch der unbedingte Wille dazu da ist. Meinen Burn-out habe ich nicht hinter mir gelassen, weil ich „mal“ etwas probiert habe. Jeden Tag musste ich daran arbeiten, mich zusammenreißen und immer wieder aufstehen. Diese Energie konnte mir niemand von außen einhauchen. Sie musste aus mir selbst kommen. Es ist auch sehr befreiend zu wissen, dass ich solche Dinge selbst in der Hand habe und in dem Punkt nicht auf die Hilfe anderen angewiesen bin. Hätte sich der Burn-out irgendwann in eine stattliche Depression verwandelt, wäre ich wohl nicht aus eigenem Antrieb rausgekommen. Aber das ist nie passiert. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Jeden Tag wieder merke ich, wie viele Menschen in irgendwelchen negativen Denkmustern unterwegs sind und nicht mal mehr ansatzweise das Schöne in ihrem Leben sehen. Ich bin davon überzeugt, dass es ihnen ein gutes Stück besser gehen würde, wenn sie sich mehr von den positiven Bildern ihres Lebens im Kopf aufhängen würden. Dann müssten sie nur gelegentlich mal daran entlangschlendern, einen Blick drauf werfen und schon würden sie die dazu passenden tollen Emotionen wieder spüren. Die schlechte Laune hätte dadurch weniger Nährboden. Aber das wäre vielleicht zu einfach.


Fröhlichst

Dein André


Fotos im Video by www.pixabay.com

 
 
 

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